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Lebererkrankung beim Hund: Symptome & Lebenserwartung
03. November 2025 | KrankheitenLebererkrankungen beim Hund sind oft schwer erkennbar. Mit der richtigen Behandlung können viele Hunde aber ein langes, gutes Leben führen.
Foto von Ryan Stone auf
Die Leber ist eines der wichtigsten Organe Ihres Hundes. Sie entgiftet, speichert Nährstoffe und produziert lebenswichtige Enzyme. Doch was tun, wenn die Leber erkrankt? Lebererkrankungen beim Hund sind oft tückisch, da sie im Frühstadium kaum Symptome zeigen. Erst wenn die Krankheit fortgeschritten ist, werden Anzeichen wie Appetitlosigkeit, Erbrechen oder Gelbsucht sichtbar.
Was ist eine Lebererkrankung beim Hund?
Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan Ihres Hundes. Sie filtert Schadstoffe aus dem Blut, produziert Gallensäuren für die Verdauung und speichert Vitamine. Eine Lebererkrankung kann akut (plötzlich) oder chronisch (langsam fortschreitend) verlaufen. Häufige Ursachen sind:
- Infektionen (z. B. Hepatitis contagiosa canis, Leptospirose)
- Vergiftungen (Medikamente, Pilze, Chemikalien)
- Genetische Faktoren (z. B. Kupferspeicherkrankheit bei bestimmten Rassen)
- Tumore oder Zysten
- Fettleber durch Übergewicht oder falsche Ernährung
- Portosystemischer Shunt (angeborene Gefäßfehlbildung)
Typische Symptome: Woran erkennen Sie eine Lebererkrankung?
Lebererkrankungen beim Hund zeigen sich oft erst spät durch unspezifische Symptome. Achten Sie auf folgende Anzeichen:
Frühsymptome (unspezifisch)
- Appetitlosigkeit oder veränderter Appetit
- Gewichtsverlust
- Erbrechen oder Durchfall
- Lethargie und Antriebslosigkeit
- Vermehrter Durst und häufigeres Wasserlassen
Spätsymptome (deutlichere Warnsignale)
- Gelbsucht (Ikterus): Gelbe Verfärbung von Schleimhäuten, Augenweiß und Haut
- Aszites: Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum, sichtbar als geschwollener Bauch
- Neurologische Störungen: Verwirrtheit, Krampfanfälle oder Koordinationsstörungen (Hepatische Enzephalopathie)
- Blutgerinnungsstörungen: Nasenbluten, Blut im Stuhl oder Urin
- Starker Juckreiz oder Hautveränderungen
Viele dieser Symptome können auch auf andere Erkrankungen hindeuten. Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung sollten Sie umgehend einen Tierarzt aufsuchen.

Erhöhte Leberwerte beim Hund: Welche Blutwerte sind wichtig?
Die Diagnose einer Lebererkrankung erfolgt meist über eine Blutuntersuchung. Die wichtigsten Leberwerte und ihre Bedeutung:
| Leberwert (Abkürzung) | Referenzbereich (Hund) | Bedeutung bei Erhöhung |
| ALT (Alanin-Aminotransferase) | < 88 U/l | Schädigung der Leberzellen, z. B. durch Entzündung, Toxine oder Tumore |
| AST (Aspartat-Aminotransferase) | < 50 U/l | Leberzellschäden, aber auch Muskel- oder Herzprobleme möglich |
| AP (Alkalische Phosphatase) | < 150 U/l | Gallestau, Lebertumore, Medikamentennebenwirkung |
| GGT (Gamma-Glutamyltransferase) | < 10 U/l | Gallengangsprobleme, Leberentzündung |
| Bilirubin | < 0,5 mg/dl | Gelbsucht, Leberfunktionsstörung |
| Gallensäuren | < 15 µmol/l | Störung der Leberfunktion oder Gallengangsblockade |
| Albumin | 2,5–4,0 g/dl | Verminderte Proteinsynthese bei chronischer Lebererkrankung15-47,49,51,53 |
Hinweis: Ein einzelner erhöhter Wert reicht nicht für eine Diagnose aus. Der Tierarzt oder die Tierärztin wird weitere Untersuchungen wie Ultraschall, Röntgen oder eine Leberbiopsie empfehlen, um die Ursache zu klären.
Lebenserwartung: Wie ist die Prognose bei Lebererkrankungen?
Eine Lebererkrankung ist nicht direkt ein Todesurteil. Viele Hunde leben mit angepasster Ernährung und medizinischer Betreuung noch lange und gut. Die Lebenserwartung eines Hundes mit Lebererkrankung hängt von mehreren Faktoren ab.
Einflüsse auf die Prognose
- Ursache der Erkrankung (z. B. akute Vergiftung vs. chronische Hepatitis)
- Schweregrad (Früherkennung verbessert die Prognose)
- Behandlungsmöglichkeiten (Medikamente, Diät, Operation)
- Allgemeiner Zustand und Gesundheit des Hundes
Häufige Lebererkrankungen beim Hund
1. Akute Hepatitis
Die akute Hepatitis ist eine plötzliche Entzündung der Leber, die durch Infektionen (z. B. Hepatitis contagiosa canis), Toxine oder Medikamente ausgelöst werden kann. Typische Symptome sind Fieber, Erbrechen, Durchfall und Gelbsucht (Ikterus). Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung – z. B. mit Infusionen, Entzündungshemmern und Leberschutzpräparaten – können viele Hunde vollständig genesen. Unbehandelt kann eine akute Hepatitis jedoch zu schwerem Leberversagen führen, das lebensbedrohlich für das Tier ist.
2. Chronische Hepatitis
Die chronische Hepatitis (chronische Entzündung der Leber) entwickelt sich langsam über Monate oder Jahre und führt zu einer fortschreitenden Schädigung des Lebergewebes. Sie kann durch Autoimmunerkrankungen, genetische Faktoren oder langfristige Toxinbelastung verursacht werden. Symptome sind oft unspezifisch (z. B. Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Lethargie) und treten erst im fortgeschrittenen Stadium auf. Die Prognose hängt stark vom Schweregrad ab:
Früherkennung und konsequente Therapie (z. B. mit Kortikosteroiden, Leberschutzpräparaten und einer angepassten Diät) können die Lebensqualität deutlich verbessern und die Lebenserwartung verlängern.
In fortgeschrittenen Stadien kann es zu Leberfibrose oder Zirrhose kommen, die nicht mehr heilbar sind. Hier steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund, um dem Hund ein möglichst beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.
3. Lebertumore
Lebertumore können gutartig (z. B. noduläre Hyperplasie) oder bösartig (z. B. Leberzellkarzinom) sein. Die Symptome sind oft unspezifisch (z. B. Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, geschwollener Bauch) und werden zunächst auf andere Ursachen geschoben. Die Prognose hängt entscheidend davon ab, ob der Tumor operabel ist:
Operable Tumore (z. B. einzelne, gut abgegrenzte Knoten) können oft vollständig entfernt werden, was die Heilungschancen deutlich erhöht.
Inoperable Tumore (z. B. diffuse oder metastasierte Tumore) haben eine schlechtere Prognose. Hier kommen supportive Therapien wie Chemotherapie, Schmerzmanagement und palliative Pflege zum Einsatz, um die Lebensqualität zu erhalten.
4. Kupferspeicherkrankheit
Die Kupferspeicherkrankheit ist eine genetisch bedingte Störung, bei der sich Kupfer in der Leber anreichert und zur Gefahr von Entzündungen und Zellschäden führt. Die Erkrankung ist also angeboren. Besonders betroffen sind Rassen wie der Bedlington Terrier, Labrador oder Dobermann. Die Prognose ist bei dieser Erkrankung gut, wenn sie früh erkannt wird:
- Durch eine kupferarme Ernährung und die Gabe von kupferbindenden Medikamenten (z. B. Chelatbildner) kann der Kupferhaushalt normalisiert werden.
- Regelmäßige Blut- und Urinkontrollen sind notwendig, um den Kupfergehalt zu überwachen.
- Bei konsequenter Therapie können betroffene Hunde ein fast normales Leben führen und eine nahezu normale Lebenserwartung erreichen.
5. Portosystemischer Shunt (PSS)
Ein portosystemischer Shunt (Lebershunt) ist eine angeborene oder erworbene Gefäßfehlbildung, bei der das Blut an der Leber vorbeigeleitet wird. Dadurch wird das Blut nicht ausreichend entgiftet, was zu schweren Stoffwechselstörungen führt. Typische Symptome sind Wachstumsstörungen, neurologische Ausfälle (z. B. Krampfanfälle) und Verdauungsprobleme. Die Prognose hängt von der Operabilität des Shunts ab:
Chirurgische Korrektur (z. B. durch Ligatur oder Stent-Implantation) kann die Symptome deutlich verbessern und vielen Hunden ein normales Leben ermöglichen.
Nicht operierbare Shunts erfordern eine lebenslange medikamentöse und diätetische Behandlung, um die Symptome zu kontrollieren. Die Lebenserwartung ist hier oft eingeschränkt, aber viele Hunde leben mit der richtigen Therapie noch Jahre gut.
6. Leberzirrhose
Die Leberzirrhose ist das Endstadium vieler chronischer Lebererkrankungen. Dabei wird funktionsfähiges Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt, was zu einem dauerhaften Funktionsverlust führt. Symptome sind u. a. Aszites (Bauchwassersucht), Gelbsucht und neurologische Störungen. Die Prognose ist hier vorsichtig zu stellen:
- Eine Heilung ist in der Regel nicht mehr möglich.
- Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome (z. B. durch Diuretika, Leberschutzpräparate und eine angepasste Ernährung).
- Die Lebenserwartung hängt vom Schweregrad ab, liegt aber oft bei einigen Monaten bis zu wenigen Jahren – je nach Allgemeinzustand des Hundes.
Ist Hepatitis beim Hund ansteckend für Menschen?
Die Hepatitis contagiosa canis (HCC) ist eine ansteckende Leberentzündung, die durch das Canine Adenovirus-1 (CAV-1) ausgelöst wird. Sie ist nicht auf Menschen übertragbar, aber hochansteckend unter Hunden. Typische Symptome sind Fieber, Erbrechen, Durchfall und Gelbsucht. Die Impfung gegen HCC ist Teil der Standardimpfungen für Hunde und schützt zuverlässig vor der Erkrankung.
Behandlung: Was kann ich für meinen Hund tun?
Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Sie umfasst in der Regel eine Kombination aus tierärztlicher Behandlung, Ernährungsumstellung und regelmäßigen Kontrollen.
Medikamentöse Behandlung
Bei einer Entzündung der Leber werden oft Kortikosteroide eingesetzt, um die Entzündungsreaktion im Lebergewebe zu reduzieren. Besonders bei autoimmunbedingten Lebererkrankungen sind diese Medikamente wichtig, um das Fortschreiten der Krankheit zu bremsen.
Ein weiterer zentraler Baustein ist die Gabe von Leberschutzpräparaten. Dazu gehören Wirkstoffe wie SAMe (S-Adenosylmethionin) und Silymarin (Mariendistelextrakt). SAMe unterstützt die Regeneration der Leberzellen und fördert die Entgiftung, während Silymarin antioxidativ wirkt und die Leber vor weiteren Schäden schützt. Beide Substanzen sind gut verträglich und können langfristig verabreicht werden, um die Lebergesundheit zu erhalten
Viele Hunde mit Lebererkrankungen leiden unter Dehydrierung oder Elektrolytstörungen, besonders wenn Erbrechen oder Durchfall zu Flüssigkeitsverlust führen. In solchen Fällen sind Infusionen ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie stabilisieren den Flüssigkeitshaushalt, ersetzen verlorene Elektrolyte und unterstützen die Entgiftung über die Nieren. Bei akutem Leberversagen oder schweren Vergiftungen können Infusionen sogar lebensrettend sein.
Chirurgische Eingriffe an der Leber
In einigen Fällen ist eine Operation unvermeidbar. Das gilt vor allem bei Lebertumoren oder einem portosystemischen Shunt. Ein portosystemischer Shunt ist eine angeborene oder erworbene Gefäßfehlbildung, bei der das Blut an der Leber vorbeigeleitet wird. Dadurch wird das Blut nicht ausreichend entgiftet, was zu schweren Stoffwechselstörungen führt. Durch eine Operation kann der Shunt verschlossen oder verengt werden, sodass das Blut wieder durch die Leber fließt und entgiftet wird. Bei Lebertumoren hängt die Operabilität von der Lage und Größe des Tumors ab. Falls eine vollständige Entfernung möglich ist, steigen die Heilungschancen deutlich.
Umstellung auf spezielle Ernährung
Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung von Lebererkrankungen beim Hund. Eine angepasste Leberdiät entlastet das Organ, fördert die Regeneration und verhindert weitere Schäden.
Statt zwei oder drei großer Mahlzeiten am Tag sollten Hunde mit Lebererkrankungen mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt erhalten. Das hat mehrere Vorteile:
- Die Leber wird nicht durch große Mengen an Nährstoffen auf einmal belastet.
- Der Blutzuckerspiegel bleibt stabil, was besonders bei Hunden mit gestörter Leberfunktion wichtig ist.
- Übelkeit und Erbrechen werden reduziert, da der Magen nie komplett leer ist.
Bestimmte Lebensmittel und Substanzen können die Leber zusätzlich belasten oder sogar Vergiftungen auslösen. Vermeiden Sie daher:
- Rohe Eier: Können Salmonellen oder andere Bakterien enthalten, die die Leber zusätzlich stressen.
- Pilze: Viele Pilzarten sind für Hunde giftig und können zu schweren Lebervergiftungen führen.
- Schimmelige Lebensmittel: Schimmelpilze produzieren Toxine (z. B. Aflatoxine), die leberschädigend wirken.
- Alkohol, Koffein und Schokolade: Diese Substanzen sind für Hunde generell giftig und belasten die Leber stark.
- Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel: Nicht alle für Menschen unbedenklichen Präparate sind auch für Hunde sicher. Geben Sie Ihrem Hund nie Medikamente ohne Rücksprache mit dem Tierarzt!

Hunde mit Leberproblemen benötigen ein hochwertiges, leicht verdauliches Futter, das speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Wichtige Merkmale einer Leberdiät sind:
- Reduzierter Eiweißgehalt: Zu viel Eiweiß belastet die Leber, da sie Ammoniak – ein Abbauprodukt von Proteinen – entgiften muss. Bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen kann ein zu hoher Ammoniakspiegel sogar zu neurologischen Störungen (hepatische Enzephalopathie) führen. Daher sollte das Futter moderate Mengen an hochwertigem Eiweiß enthalten, das leicht verdaulich ist (z. B. aus Eiern, Geflügel oder Fisch).
- Niedriger Kupfergehalt: Bei bestimmten Rassen wie dem Bedlington Terrier oder Labrador kann eine Kupferspeicherkrankheit vorliegen, bei der sich Kupfer in der Leber anreichert und das Gewebe schädigt. In solchen Fällen ist ein Futter mit reduziertem Kupfergehalt essenziell.
- Hohe Energiedichte: Da die Leber eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel spielt, benötigen betroffene Hunde oft kalorienreiches Futter, um einem Gewichtsverlust entgegenzuwirken. Fette sollten in Maßen enthalten sein, da sie leicht verdaulich sind und viel Energie liefern.
- Komplexe Kohlenhydrate: Sie liefern langkettige Energie und schonen die Leber, da sie den Blutzuckerspiegel stabil halten.
Viele Tierärzte empfehlen spezielle Leberdiät-Futtersorten, die als spezielle Tiernahrung auf diese Anforderungen abgestimmt sind. Bekannte Beispiele sind: Royal Canin Hepatic, Purina Pro Plan Veterinary Diets HA Hepatic und Farmina Vet Life Hepatic.
Regelmäßige Kontrollen
Durch regelmäßige Bluttests kann der Tierarzt die Leberenzyme (ALT, AST, AP, GGT, Bilirubin) und andere wichtige Parameter (z. B. Albumin, Gallensäuren) überwachen. So lassen sich Rückfälle oder Verschlechterungen früh erkennen und die Behandlung entsprechend anpassen. Besonders bei chronischen Lebererkrankungen sind diese Kontrollen auch zur Vorbeugung entscheidend, um die Therapie optimal zu steuern. Bei Bedarf können bildgebende Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen durchgeführt werden, um strukturelle Veränderungen der Leber (z. B. Tumore, Zysten, Fibrose) zu erkennen. Diese Untersuchungen helfen auch dabei, den Erfolg einer Operation oder medikamentösen Behandlung zu bewerten.
Je nach Verlauf der Erkrankung kann es notwendig sein, die Medikation oder Ernährung anzupassen. Bei einigen Hunden bessern sich die Leberwerte mit der Zeit, bei anderen kann die Erkrankung fortschreiten. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Tierarzt ist daher unerlässlich, um die bestmögliche Lebensqualität für Ihren Hund zu sichern.
Fazit: Früh erkennen, schnell handeln
Lebererkrankungen beim Hund sind ernst zu nehmende Erkrankungen, die oft spät erkannt werden. Achten Sie auf Veränderungen im Verhalten und Gesundheitszustand Ihres Hundes und suchen Sie bei Verdacht umgehend einen Tierarzt/eine Tierärztin auf. Mit der richtigen Diagnose, Behandlung und Ernährung können viele Hunde ein langes und lebenswertes Leben führen.
