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Diabetes bei Katzen: Symptome & Tipps für die Behandlung
20. Oktober 2026 | von VetFamily | KrankheitenWoran Sie die Anzeichen erkennen, wie die Behandlung abläuft, was bei Unterzuckerung hilft und wie hoch die Lebenserwartung ist.
Foto von Gustavo Fring auf Pexels
Inhaltsverzeichnis
Diabetes mellitus zählt bei Katzen zu den häufigsten Hormonerkrankungen. Meist erkranken Tiere ab einem Alter von etwa sieben Jahren, wobei Kater deutlich häufiger betroffen sind als weibliche Tiere. Oft bleibt die Krankheit zunächst unbemerkt, weil sie sich langsam entwickelt. Auffällig wird sie beispielsweise, wenn eine Katze über längere Zeit ungewöhnlich viel trinkt. Diabetes bei Katzen lässt sich gut behandeln. Die Erkrankung kann bei einem Teil der Tiere sogar wieder stark zurückgehen, vorausgesetzt, sie wird früh erkannt.
Was bei Diabetes im Katzenkörper passiert
Damit die Körperzellen Zucker aus dem Blut aufnehmen können, brauchen sie das Hormon Insulin. Dieses Hormon wird von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet, wenn der Blutzuckerspiegel nach dem Fressen ansteigt. Bei einer Katze mit Diabetes ist dieser Vorgang gestört. Der Zucker bleibt im Blut, während die Zellen zu wenig Energie bekommen.
Etwa 80 Prozent der betroffenen Katzen haben Diabetes Typ 2. Ihr Körper bildet zwar noch Insulin, die Zellen reagieren aber schlechter darauf, und die insulinbildenden Zellen lassen nach. Übergewicht erhöht das Erkrankungsrisiko etwa auf das Vierfache und gilt als größter Risikofaktor. Hinzu kommt Bewegungsmangel, wie ihn viele reine Wohnungskatzen haben. Auch Kortison und bestimmte Hormonpräparate können einen Diabetes begünstigen. In selteneren Fällen steckt eine andere Erkrankung dahinter, beispielsweise eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse.
Beim Hund verläuft Diabetes übrigens anders. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag über Diabetes bei Hunden.
Typische Anzeichen für Diabetes bei Katzen
Diabetes entwickelt sich meist über Wochen, und die ersten Anzeichen wirken oft harmlos. Achten Sie auf diese Veränderungen:
- Ihre Katze trinkt deutlich mehr als früher
- das Katzenklo ist häufiger und stärker nass
- sie frisst mehr oder bettelt ständig, nimmt aber trotzdem ab
- das Fell wirkt stumpf, weil sie sich weniger putzt
- sie wirkt müde und sucht weniger Kontakt
Der überschüssige Zucker landet im Urin und zieht dabei Wasser mit sich. Die Katze verliert Flüssigkeit und gleicht das über vermehrtes Trinken aus. Gleichzeitig fehlt den Zellen Energie, also baut der Körper Muskeln und Fettreserven ab. Deshalb nimmt sie ab, obwohl sie mehr frisst als sonst.

Schwäche in den Hinterbeinen erkennen
Probleme beim Laufen können ebenfalls mit Diabetes zusammenhängen. Bei etwa jeder zehnten erkrankten Katze schädigt ein dauerhaft hoher Blutzucker die Nerven. Besonders häufig macht sich das an den Hinterbeinen bemerkbar. Typisch ist ein veränderter Gang.
Katzen sind von Natur aus Zehengänger. Beim normalen Laufen setzen sie nur ihre Zehen auf. Durch die Nervenschädigung kann sich diese Haltung verändern: Die Sprunggelenke sinken nach unten und die Katze tritt mit der gesamten Sohle der Hinterpfoten auf. In der Tiermedizin spricht man von einer plantigraden Fußung.
Oft kündigt sich die Schwäche im Alltag an. Die Katze springt nicht mehr aufs Sofa oder auf die Fensterbank, und mit der Zeit bauen die Muskeln an den Hinterbeinen ab. Das wirkt leicht wie eine normale Alterserscheinung. Lassen Sie es trotzdem untersuchen, denn eine Katze mit Diabetes und schwachen Hinterbeinen braucht eine gut eingestellte Therapie. Wie weit sich die Nerven danach erholen, kann Ihre Tierarztpraxis im Einzelfall einschätzen.
Kommt die Schwäche dagegen plötzlich und kurz nach einer Insulingabe, steckt eher eine Unterzuckerung dahinter.
Behandlung von Diabetes bei Katzen
Für die Diagnose untersucht die Tierarztpraxis Blut und Urin. Weil Stress beim Tierarztbesuch den Blutzucker bei Katzen kurzzeitig in die Höhe treiben kann, bestimmt die Praxis meist zusätzlich den Fructosaminwert. Er zeigt, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen Wochen war, und liefert so ein verlässlicheres Bild als eine einzelne Messung. Außerdem schließt sie Krankheiten mit ähnlichen Anzeichen aus, etwa eine Schilddrüsenüberfunktion. Ebenso sucht sie nach einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder einem Harnwegsinfekt, denn solche Begleiterkrankungen können die Einstellung erschweren.
Steht die Diagnose fest, bekommen die meisten Katzen Insulin. Für manche kommt stattdessen ein Medikament zum Eingeben infrage. Auch beim Futter ändert sich einiges.
Insulin spritzen im Alltag bei Katzen
Üblicherweise bekommt die Katze zweimal täglich eine Spritze unter die Haut, am besten zur Fütterung oder direkt im Anschluss. Die Dosis legt die Tierarztpraxis fest und passt sie in den ersten Wochen schrittweise an.
Vor dem ersten Mal haben viele Halter Respekt vor der Nadel. Die Nadeln sind sehr fein, und viele Katzen lassen den Piks gelassen über sich ergehen, besonders wenn sie dabei fressen. Lassen Sie sich die Technik in der Praxis zeigen und üben Sie unter Anleitung.
Das Insulin gehört aufrecht in den Kühlschrank, einfrieren dürfen Sie es nicht. Vor dem Aufziehen rollen Sie das Fläschchen sanft zwischen den Händen. Hilfreich ist ein kleines Protokoll, in dem Sie Uhrzeit und Menge notieren und vermerken, wie gut Ihre Katze gefressen hat. Frisst sie einmal gar nicht, rufen Sie vor der Spritze in der Praxis an.
Je nach Behandlung kann auch eine Blutzuckermessung zu Hause sinnvoll sein. Einige Halter lernen deshalb, die Werte selbst zu kontrollieren. Das erspart der Katze Stress in der Praxis und kann die Einstellung erleichtern.
Medikament zum Eingeben statt Spritze
Eine Spritze ist nicht für jede Katze mit Diabetes die einzige Behandlungsform. Inzwischen ist in der EU ein Wirkstoff (SGLT2-Hemmer) für Katzen zugelassen, den Sie einmal täglich direkt ins Maul oder mit etwas Futter geben. Er sorgt dafür, dass überschüssiger Zucker über den Urin ausgeschieden wird. Infrage kommt das Mittel nur bei Typ-2-Diabetes und nur, wenn die Bauchspeicheldrüse noch selbst genug Insulin bildet.
Ob diese Variante für Ihre Katze passt, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt nach der Untersuchung. Vor dem Start und während der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen nötig, denn bei diesem Medikament kann eine gefährliche Stoffwechselentgleisung als Nebenwirkung auftreten, die Ketoazidose. Dabei sammeln sich Ketonkörper im Blut an.
Futterumstellung und Gewichtsabbau
Katzen sind reine Fleischfresser und vertragen Kohlenhydrate nur in geringen Mengen. Bei Diabetes wird deshalb meist ein eiweißreiches, kohlenhydratarmes Futter eingesetzt. Eine solche Ernährung kann dazu beitragen, dass die Katze weniger Insulin benötigt. Stellen Sie das Futter nur in Absprache mit der Praxis um, sonst passt die Insulinmenge plötzlich nicht mehr.
Bei übergewichtigen Katzen ist außerdem eine langsame Gewichtsabnahme Teil der Behandlung. Sie sollte tierärztlich begleitet werden. Mehr Bewegung kann dabei unterstützen, zum Beispiel durch tägliche Jagdspiele mit einer Federangel.
Chance auf Remission
Bei einem Teil der Katzen mit Typ-2-Diabetes geht die Erkrankung unter der Behandlung so weit zurück, dass kein Insulin mehr nötig ist. Etwa 25 bis 50 Prozent der betroffenen Tiere erreichen eine solche Remission. Beginnt die Therapie früh, sind die Aussichten darauf besser.
Eine Remission bedeutet allerdings keine dauerhafte Heilung. Diabetes kann erneut auftreten, etwa wenn die Katze wieder zunimmt oder Kortison bekommt. Auch wenn keine Insulingaben mehr nötig sind, sollten die vereinbarten Kontrollen deshalb weiter stattfinden.
Unterzuckerung durch Insulin rechtzeitig erkennen
Bei einer Unterzuckerung fällt der Blutzucker zu tief. Gefährdet sind Katzen, die Insulin gespritzt bekommen, vor allem wenn sie weniger fressen als sonst oder ihr Körper wieder mehr eigenes Insulin bildet.
Symptome einer Unterzuckerung bei der Katze sind unter anderem:
- auffälliger Hunger
- Unruhe oder Ängstlichkeit
- Muskelzittern
- wackeliger Gang und Stolpern
- Schwäche in den Hinterbeinen
- Orientierungslosigkeit
Zeigt Ihre Katze diese Anzeichen, braucht sie sofort Zucker. Frisst sie noch, bieten Sie ihr Futter an, sonst streichen Sie etwas Honig oder Traubenzuckergel auf ihr Zahnfleisch. Rufen Sie danach umgehend Ihre Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst an, auch wenn es der Katze schnell besser geht. Einen kleinen Vorrat an Honig oder Traubenzuckergel sollten Sie immer im Haus haben. Bei einer bewusstlosen oder krampfenden Katze sollte jedoch nichts eingeflößt werden – in diesem Fall sollte eine Praxis unmittelbar aufgesucht werden.
Ebenfalls ein Notfall ist die Ketoazidose. Sie entsteht durch Insulinmangel, oft bei einem unerkannten oder schlecht eingestellten Diabetes. Erbricht Ihre Katze, frisst und trinkt sie kaum noch oder wirkt sie sehr teilnahmslos, muss sie sofort tierärztlich behandelt werden.

Lebenserwartung einer Katze mit Diabetes
Wie lange eine Katze mit Diabetes lebt, hängt vor allem davon ab, wann die Erkrankung erkannt wird und wie gut sie sich einstellen lässt. Ist der Blutzucker stabil, kann sie noch mehrere Jahre ein gutes Katzenleben führen. Ungünstiger sieht es aus, wenn schwere Begleiterkrankungen hinzukommen oder Diabetes erst durch eine Ketoazidose auffällt.
Für Halter ist vor allem die erste Zeit nach der Diagnose oft ungewohnt. Die Insulingaben müssen in den Tagesablauf integriert werden und während der Einstellungsphase stehen mehrere Tierarzttermine an. Dieser Aufwand zahlt sich aus, denn je zuverlässiger die Behandlung läuft, desto mehr gemeinsame Zeit bleibt Ihnen mit Ihrer Katze.
Fazit: Diabetes bei Katzen gut behandeln
Vermehrtes Trinken und Gewichtsverlust trotz Appetit sind die häufigsten ersten Hinweise, bei einem Teil der Tiere kommt eine Schwäche der Hinterbeine hinzu. Mit Insulin oder einem Medikament zum Eingeben und dem passenden Futter lässt sich die Erkrankung gut kontrollieren, bei manchen Katzen verschwindet sie sogar wieder.
Bemerken Sie bei Ihrer Katze entsprechende Veränderungen, lassen Sie sie zeitnah in einer Tierarztpraxis in Ihrer Nähe untersuchen. Ein Bluttest bringt schnell Klarheit, und je früher die Behandlung beginnt, desto besser stehen die Chancen auf eine Remission.
Quellen
Chemie.de: https://www.chemie.de/lexikon/Insulin.html (abgerufen am 6. Oktober 2026)
Spektrum Lexikon der Biologie: https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/ketonkoerper/35945 (abgerufen am 6. Oktober 2026)
wissen.de: https://www.wissen.de/lexikon/fuss-anatomie (abgerufen am 6. Oktober 2026)
ZDFheute: https://www.zdfheute.de/ratgeber/katzenfutter-vegan-ernaehrung-katzen-100.html (abgerufen am 6. Oktober 2026)
